An diesem Donnerstag kommt «Akte X - Jenseits der Wahrheit» in die deutschen Kinos, der zweite Kinofilm (nach 1998) zu der gleichnamigen US-Mysteryserie mit den FBI-Agenten Fox Mulder und Dana Scully. Ihr neuester Fall soll jedoch nicht nur eingeschworene Fans ansprechen, sondern auch jene, die die Serie bislang nicht kennen. Herausgekommen ist ein spannender Thriller mit einer Prise Action und Ekel, aber wenig Übersinnlichem.
Die «X-Files», benannt nach den ungelösten Fällen des FBI, wurden in den USA zum ersten Mal 1993 ausgestrahlt. Was als eine Art Spartenprogramm für UFO-Begeisterte begann, lockte bald Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Im Internet entstand eine Fangemeinde, die leidenschaftlich jede einzelne Folge diskutierte oder sich zum gemeinsamen Gucken verabredete. Die neun Staffeln liefen in 60 Ländern weltweit und wurden mit drei Golden Globes und sieben Emmys ausgezeichnet. 2002 (Deutschland 2003) flimmerte die Sendung zum letzten Mal über die Bildschirme.
Entsprechend groß war die Begeisterung, als die Nachricht über einen zweiten Film die Runde machte. «Ich freu mich total. Wer hätte gedacht, dass das tatsächlich noch was wird», schreibt Tinchen82 in einem der vielen Internetforen, in denen die Fans schon seit Monaten wild über die Handlung des Films spekulieren. Doch am meisten beschäftigt sie dabei die Frage, ob die Hauptdarsteller David Duchovny und Gillian Anderson diesmal auf der Leinwand zueinander finden werden - nach einem angedeuteten Kuss im ersten Film.
Die Produktionsfirma schwieg sich, wie bereits beim ersten Streifen, über den Inhalt des Films aus. Das Drehbuch wurde in einem Safe unter Verschluss gehalten. Die Schauspieler bekamen ihre Textpassagen jeden Tag aus dem Original kopiert. Nur so viel verriet Regisseur und Drehbuchautor Chris Carter: «Unser Film ist gruselig, erschreckend und schwer zu entschlüsseln. Bei "Akte X" haben wir die Zuseher damit erschreckt, dass wir oft etwas nicht gezeigt haben. Das tun wir nun im Kino auch.»
Doch damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten mit der Serie. Die sechs Jahre Pause sind an Mulder und Scully nicht spurlos vorbeigegangen. Mulder ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Er hat sich in die Einöde zurückgezogen, in seinem Gesicht wuchert ein Vollbart und den Tag verbringt er damit, UFO-Artikel aus der Zeitung auszuschneiden. Scully arbeitet als Kinderärztin. Ihr rotes Haar fällt weich und weiblich über die Schultern. Insgesamt ist sie weniger Power-Frau als in der Serie. Sorgenfalten zerfurchen ihre Stirn, Tränen rinnen hier und da die Wangen hinunter.
Doch dann verschwindet eine FBI-Agentin spurlos, wenig später eine weitere Frau. Außerdem ist da noch ein pädophiler Pfarrer, dem die Vermissten in Visionen erscheinen. Im Eis tauchen abgehackte Arme und Köpfe auf, Menschen weinen Blut. Die Ermittler sind ratlos und bitten Mulder und Scully - die Meister des Anormalen - um Hilfe. Schnell geht der Geschichte jedoch das Mysteriöse verloren. Am Ende dreht sich alles um illegalen Organhandel, Experimente am Menschen und Frankenstein-Fantasien russischer Forscher.
Der Sinn der Story bleibt bis zum Schluss unklar. Welches Ziel verfolgten die Bösewichte? Wer hat sie beauftragt? So bleiben mehr Fragen offen als beantwortet werden. Eingefleischte Fans dürfte der für «Akte X»-Maßstäbe wenig originelle Plot enttäuschen. Neueinsteiger könnte die actionreiche Handlung dennoch fesseln. Am Ende bleibt den Fans ein kleiner Trost: Zumindest auf die Frage, ob Mulder und Scully jemals ein Paar werden, gibt es eine eindeutige Antwort.




































