Die Entzündung frisst den Schienbeinknochen auf. Dr. Stephan Vögeli, Facharzt für Chirurgie Aus Afghanistan, vom Kaukasus und aus Ländern Zentralafrikas stammen die 133 Kinder, die am Mittwoch voriger Woche mit dem Flugzeug in Deutschland landeten. Anschließend wurden sie auf Kliniken in Süddeutschland verteilt, wo sie operiert oder gepflegt werden. Zuständig für diese Hilfe ist das Friedensdorf.
Das Lohrer Krankenhaus unterhält seit langer Zeit eine Partnerschaft mit dem Friedensdorf. Mit den beiden afghanischen Jungen, die hier in Behandlung sind, konnten die Ärzte schon 21 Kindern helfen. Auch in Marktheidenfeld wurden acht kleine Patienten wieder gesund. Mit den Vertretern des Friedensdorfes Bärbel Franz und Temor Yusufi, der als Halbafghane seit 20 Jahren eine Vermittlerrolle einnimmt, besuchte Landrat Schiebel gestern die Jungen.
"Das, woran die Buben leiden, gibt es in Deutschland eigentlich gar nicht", erklärte Dr. Stephan Vögeli, Facharzt für Chirurgie. Es handele sich um eine Entzündung von Knochen und Knochenmark, die von Mangelernährung herrühre und deshalb hierzulande so gut wie nicht auftrete. "Die Entzündung frisst sozusagen den Schienbeinknochen des Kindes auf", sagte Vögeli. Eine Operation ist geschafft, doch es werden noch zwei bis drei Eingriffe nötig sein, um die Krankheit zu besiegen.
Schiebel freute sich, dass kranken Kindern des Friedensdorfes wieder geholfen werden könne und sich die lange Tradition so fortsetze. Bereits seit 15 Jahren arbeitet das Friedensdorf mit dem Lohrer Krankenhaus zusammen. Schiebel wünscht den jungen Afghanen eine gute und gesunde Zukunft. Gegen die Langeweile im Krankenzimmer überreichte er ihnen als Geschenk etwas zum Spielen.
Bärbel Franz bedankte sich, dass das Krankenhaus wieder einmal schwerkranke Kinder aufgenommen habe. In Zukunft würden sicher viele weitere Kinder aus der Fremde kommen. Zumindest scheint sich die Lage in Afghanistan nach dem letzten Lagebericht der Friedensdorf-Mitarbeiter zu verschlechtern. Drei Wochen lang hatten sie dort den Krankentransport nach Europa vorbereitet und waren auf erschreckende Armut gestoßen: Hungernde Kinder und Erwachsene auf Kabuls Straßen, steigende Lebenshaltungskosten und eine immer noch schlechte medizinische Versorgung.
Laut Dr. Vögeli sind das Personal und er auf solche Einsätze eingestellt, so viele afghanische Kinder hätten sie schon behandelt. "Es ist natürlich auch ein großer Vertrauensbeweis gegenüber dem Friedensdorf und uns", betonte er. In der Tat geben die Eltern ihre schwer kranken Schützlinge vorbehaltlos ab, in der Hoffnung, sie bald wieder gesund empfangen zu können.
Tapfer trotz Heimweh "Wir versuchen alles für sie zu tun, doch selbstverständlich haben die Jungs großes Heimweh", sagte Temor Yusufi, der Einzige, dem sich die Kinder anvertrauen können. "Aber sie wissen, dass ihnen hier geholfen wird und dass es womöglich ihre letzte Chance ist, also bleiben sie tapfer", erklärt er. Drei Monate werden die beiden Jungen stationär behandelt, dann treffen sie in Oberhausen endlich Altersgenossen und schließlich zu Hause ihre Familienmitglieder. Denen haben sie nach ihrem Ausflug nach Europa bestimmt einiges zu berichten. Jan Weismantel
































